Ab Oktober suchen Igel einen Platz für ihren Winterschlaf, und in vielen Gärten finden sie immer seltener einen. Hier erfährst du, was im Winterschlaf passiert, was ein gutes Winterquartier ausmacht und wie du mit wenigen Handgriffen hilfst.
Das Wichtigste in Kürze
- Igel halten Winterschlaf, meist von November bis März oder April, im Schnitt fünf bis sechs Monate.
- Dabei sinkt ihre Körpertemperatur von 36 °C auf etwa 5 °C. Jede Störung kostet Energie, die der Igel im Frühjahr dringend braucht.
- Das Winterquartier muss trocken, geschützt und ruhig sein. Natürliche Verstecke wie Laub-, Reisig- und Holzhaufen gibt es in aufgeräumten Gärten immer seltener.
- Ein Igelhaus bietet genau diesen Platz. Am besten steht es bis Mitte Oktober im Garten.
- Seit Oktober 2024 führt die Weltnaturschutzunion IUCN den Igel als „potenziell gefährdet“.
Das Igeljahr: Warum gerade der Herbst entscheidet
Igel sind Einzelgänger und nachts unterwegs. Im Frühjahr wachen sie auf, im Sommer kommen die Jungen zur Welt, die meisten im August. Ab September beginnt für alle Igel ein Wettlauf gegen die Zeit: Sie müssen sich genug Fettreserven anfressen, um damit durch den Winter zu kommen. Zwischen Oktober und Dezember bauen sie ihr Winternest.[2]
Besonders knapp wird es für Jungigel aus späten Würfen. Igelschützer nennen als Faustregel, dass ein junger Igel Anfang November mindestens rund 500 Gramm wiegen sollte, besser 600 bis 700 Gramm.[4][8]
Das Igeljahr im Überblick
Im Oktober (hervorgehoben) überschneiden sich Fressen und Nestbau. Jetzt entscheidet sich, wo der Igel den Winter verbringt.[2]
Was im Winterschlaf passiert
Winterschlaf ist kein gemütliches Dösen, sondern ein Notprogramm. Der Igel fährt seinen Körper fast komplett herunter, damit seine Fettreserven bis zum Frühjahr reichen.[1]
Genau deshalb ist der Ort so wichtig, an dem der Igel schläft. Wird er geweckt, weil sein Nest nass wird, ein Tier daran scharrt oder jemand den Laubhaufen umsetzt, muss er seinen Körper wieder aufheizen. Das kostet Reserven, die ihm am Ende des Winters fehlen können. Naturschützer raten deshalb dringend, schlafende Igel und ihre Quartiere nicht zu stören.[1]
Warum Igel heute schwerer ein Winterquartier finden
Früher fanden Igel in fast jedem Garten einen Platz: unter der Hecke, im Laubhaufen, im Holzstapel hinter dem Schuppen. Heute wird im Herbst oft gründlich aufgeräumt. Laub wird weggeblasen und abgefahren, Hecken weichen Zäunen und Schotterflächen, Reisighaufen werden verbrannt. Damit verschwinden genau die Plätze, die Igel für ihr Winternest brauchen.
Zahlen & Fakten
- Seit Oktober 2024 stuft die Weltnaturschutzunion IUCN den Westeuropäischen Igel (Braunbrustigel) als „potenziell gefährdet“ ein. Sein Bestand geht stark zurück.[3]
- In Hessen steht der Igel auf der Vorwarnliste der Roten Liste von 2023. Der Bestand nimmt laut Landesamt erkennbar ab.[5]
- Die Deutsche Wildtier Stiftung hat den Igel zum Wildtier des Jahres 2024 gewählt.[6]
Als Gründe für den Rückgang nennen Fachleute vor allem den Verlust von Lebensraum, Zäune und Straßen, die ihre Reviere zerschneiden, weniger Insekten und damit weniger Futter, den Straßenverkehr, Maschinen im Garten und das Verbrennen von Reisighaufen.[5] Für Igel in Städten und Dörfern sind private Gärten deshalb wichtige Rückzugsorte. Ein Garten mit einem sicheren Winterquartier kann für einen Igel den Unterschied machen.
Das macht ein gutes Winterquartier aus
Ob selbst gebaut oder fertig gekauft: Ein Igelhaus sollte ein paar Grundregeln erfüllen. Die folgenden Punkte orientieren sich an den Empfehlungen des Igelzentrums Zürich und des LBV.[7][1]
So richtest du das Igelhaus richtig ein
Hinweis: Dies ist eine Empfehlung aus unserem eigenen Sortiment.
6 Irrtümer, die Igeln schaden
Wann ein Igel deine Hilfe braucht
Die meisten Igel kommen gut zurecht, wenn sie einen sicheren Platz und genug Futter finden. In diesen Fällen solltest du aber genauer hinschauen:[4]
- Ein erwachsener Igel ist tagsüber unterwegs, torkelt oder liegt teilnahmslos herum.
- Der Igel ist sichtbar verletzt.
- Ein Jungigel wiegt Anfang November deutlich weniger als 500 Gramm.
- Ein Igel ist bei Frost oder Schnee draußen unterwegs.
Was du dann tust: Ruf eine Igelstation oder einen Tierarzt in deiner Nähe an und lass dich beraten. Biete höchstens Wasser an, auf keinen Fall Milch.
Dein Garten macht einen Unterschied
Igelmännchen legen auf Partnersuche bis zu fünf Kilometer in einer Nacht zurück.[2] Ein Igel ist also auf viele Gärten angewiesen, nicht nur auf einen. Jedes trockene Winterquartier, jeder liegen gelassene Laubhaufen und jede kleine Lücke im Zaun hilft ihm weiter.
Wenn du jetzt im Oktober ein Winterquartier einrichtest, hilfst du dem Igel genau dann, wenn er es am dringendsten braucht. Und mit etwas Glück zieht im nächsten Herbst wieder einer bei dir ein.
Quellen
- LBV Kreisgruppe Starnberg: Igel und Winterschlaf
- LBV, Igel in Bayern: Das Igeljahr im Überblick
- WWF Deutschland (28.10.2024): Banteng, Bäume, Braunbrustigel und Brillenpinguine
- NABU Odenwaldkreis: Igelhilfe – aber richtig!
- Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG): Igel (Braunbrustigel)
- Stadt Bielefeld: Umweltbetrieb engagiert sich für das Wildtier des Jahres 2024
- Igelzentrum Zürich: Igelhaus selber bauen (PDF)
- Welt der Igel e.V.: Winterschlaf
- Netzwerk Igel Wuppertal: Ernährung